DAS IST UNS WICHTIG

Einleitung

Die Hebebühne Hamburg versteht sich als ein Ort der Begegnung, der Kreativität und des respektvollen Miteinanders. Unser Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle Menschen sicher, gesehen und willkommen fühlen können – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Hautfarbe, Herkunft, körperlichen oder psychischen Voraussetzungen, Alter oder sozialem Status.


Unser Awareness-Konzept ist dabei keine lose Sammlung guter Vorsätze, sondern ein verbindlicher Handlungsrahmen für alle, die unsere Veranstaltungen besuchen, mitgestalten oder bei uns arbeiten. Es beschreibt unsere Grundhaltung, konkrete Maßnahmen und Reaktionsweisen, um Diskriminierung, Grenzverletzungen und Übergriffe aktiv entgegenzuwirken – präventiv, unterstützend und parteilich.

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1. Was bedeutet Awareness?

Der Begriff Awareness bedeutet wörtlich übersetzt „Bewusstheit“ oder „Aufmerksamkeit“. In unserem Kontext meint Awareness ein bewusstes und achtsames Miteinander: Wir möchten uns gegenseitig unterstützen und darauf achten, dass niemand übergangen, diskriminiert oder verletzt wird – weder physisch noch verbal oder emotional.


Grenzüberschreitungen sind dabei nicht objektiv messbar, sondern werden immer von der betroffenen Person definiert. Das heißt: Wenn jemand sich durch eine Handlung oder Aussage verletzt, bedroht, herabgewürdigt oder diskriminiert fühlt, dann ist das ernst zu nehmen – unabhängig davon, ob die Handlung „absichtlich“ oder „harmlos gemeint“ war.


Unser Anspruch ist, sensibel für solche Situationen zu sein, frühzeitig zu intervenieren und Betroffene solidarisch zu unterstützen. Wer sich unsicher ist, ob ein Verhalten in Ordnung ist, sollte lieber einmal zu viel als zu wenig nachfragen. Respekt beginnt mit Aufmerksamkeit – und mit der Bereitschaft, sich selbst zu reflektieren.

2. Grundsätze unserer Awareness-Arbeit

Unsere Awareness-Arbeit basiert auf drei zentralen Prinzipien, die im Zentrum unseres Konzepts stehen:

  • Konsens
    Ein respektvoller Umgang bedeutet, dass persönliche Grenzen geachtet und nur mit Zustimmung überschritten werden. Besonders in zwischenmenschlichen oder körperlichen Interaktionen gilt: „Nein“ heißt immer Nein – und noch wichtiger: Nur ein klares „Ja“ heißt Ja. Konsens muss aktiv eingeholt werden und kann jederzeit widerrufen werden.
  • Definitionsmacht
    Die betroffene Person hat das Recht zu benennen, wann eine Grenze überschritten wurde – und wie sie im Anschluss begleitet und unterstützt werden möchte. Die Wahrnehmung der betroffenen Person wird dabei nicht infrage gestellt oder relativiert.
  • Parteilichkeit
    Im Falle eines Vorfalls stehen wir uneingeschränkt auf der Seite der betroffenen Person. Das bedeutet nicht, dass automatisch Maßnahmen gegen andere Personen ergriffen werden müssen – sondern dass wir die Wünsche und Bedürfnisse der betroffenen Person an erste Stelle setzen. Unsere Unterstützung erfolgt vertraulich, auf Augenhöhe und ohne Zwang.

3. Haltung und Unternehmenskultur

Awareness beginnt bei der Haltung – und diese prägt unsere Unternehmenskultur. Wir möchten einen Raum schaffen, in dem nicht nur die Gäste, sondern auch Mitarbeitende, Künstler:innen und Dienstleister:innen sich wohlfühlen. Das gelingt nur, wenn alle Beteiligten sich in ihrer Vielfalt respektiert und geschützt fühlen.

 

  • Unser Leitbild
    Die Hebebühne ist ein diskriminierungssensibler Ort, an dem alle Menschen willkommen sind. Wir dulden kein sexistisches, rassistisches, queerfeindliches, ableistisches oder sonstiges herabwürdigendes Verhalten – weder auf, vor, noch hinter der Bühne, noch am Tresen.

    Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus, Religionsfeindlichkeit, sowie psychische und physische Gewalt führen zum Ausschluss von der Veranstaltung. 

    Wir möchten eine Arbeitskultur etablieren, die geprägt ist von Respekt, Offenheit und Lernbereitschaft. Dazu gehört auch:
    • ein respektvoller Umgang: Zustimmung wird eingeholt, Grenzen werden beachtet
    • Unterstützung bei Diskriminierungserfahrungen im Team
    • ein sicherer Rahmen für Dialog, Kritik und Meinungsäußerung

4. Teamstrukturen & Allyship

Awareness ist kein Projekt, das von einer einzelnen Person getragen werden kann. Vielmehr ist es eine kollektive Verantwortung, die das gesamte Team betrifft – von der Veranstaltungsleitung über die Bar- und Einlasscrew bis hin zur Security. Jeder Mensch, der in unserem Club arbeitet, trägt zum Gelingen einer respektvollen Atmosphäre bei.

  • Miteinander im Team
    Innerhalb des Teams möchten wir Strukturen schaffen, in denen sich jede*r sicher fühlen kann, auch schwierige Situationen offen anzusprechen. Es ist uns wichtig, ein Klima zu fördern, in dem Feedback willkommen ist und alle Mitarbeitenden die Möglichkeit haben, eigene Perspektiven und Erfahrungen einzubringen. Dabei gilt: Kritik darf geäußert werden – wertschätzend, ehrlich und lösungsorientiert.

    Zu den etablierten Teamstrukturen gehören:
    • Regelmäßige Reflexionen im Team (z. B. nach Veranstaltungen oder bei besonderen Vorfällen)
    • Verlässliche Vertrauenspersonen, an die man sich jederzeit wenden kann
    • Eine interne Kommunikationskultur, die auf Verständnis, aktives Zuhören und Transparenz setzt
    • Klare Abläufe zur internen Bearbeitung von Grenzverletzungen, die Mitarbeitende betreffen (siehe “Akute Maßnahmen”)
    • eine positive Fehlerkultur: organisatorische sowie zwichenmenschliche Fehler sind erlaubt und werden als Chance zur Weiterentwicklung gesehen
  • Allyship: Solidarität im Alltag
    Awareness lebt von aktiver Verbündetenarbeit – auch Allyship genannt. Das bedeutet: Wer im Team diskriminierendes oder grenzüberschreitendes Verhalten beobachtet, schaut nicht weg, sondern handelt – situationsangemessen, sensibel und solidarisch.

    Konkrete Formen von Allyship im Arbeitsalltag:
    • Bei unangemessener Wortwahl freundlich intervenieren („Meinst du vielleicht ‚Team‘ statt ‚Kollegen‘?“)
    • Marginalisierte Stimmen in Gesprächen aktiv einbeziehen
    • Beiträge von überhörten Personen bewusst wiederholen und referenzieren („Wie XY gerade schon gesagt hat...“)
    • Nachfragen, wenn jemand still oder unwohl wirkt: „Geht’s dir gut?“ oder „War das okay für dich?“


Diese vermeintlich kleinen Gesten stärken nicht nur die Betroffenen, sondern fördern eine Unternehmenskultur, die respektvoll, aufmerksam und inklusiv ist.

5. Präventive Maßnahmen

Prävention ist ein zentraler Bestandteil unserer Awareness-Arbeit. Je mehr wir im Vorfeld tun, um Übergriffe und Diskriminierung zu vermeiden, desto besser gelingt es uns, allen eine positive Erfahrung im Club zu ermöglichen.

Raumgestaltung & Barrierefreiheit
Unsere Räumlichkeiten sollen so gestaltet sein, dass sie für möglichst viele Menschen zugänglich und sicher sind. Dazu gehören:

  • Barrierefreiheit:
    • Das barrierefreie WC ist jederzeit zugänglich und wird entsprechend beschildert
    • Gäste mit Rollstuhl oder eingeschränkter Mobilität können einen guten Platz im Publikum erhalten – unsere Mitarbeitenden helfen aktiv dabei
    • Der Haupteingang sowie die Bühne sind mit entsprechenden Rampen barrierefrei. Die Rampen werden im barrierefreien Klo oder hinter der Garderobe gelagert
    • Eine Begleitperson erhält kostenlosen Eintritt
  • Safer spaces
    Ein safer space ist ein bewusst gestalteter Raum, in dem sich Menschen – besonders solche, die Diskriminierung erfahren – möglichst sicher, respektiert und geschützt fühlen können. Ziel ist es, durch achtsamen Umgang, klare Regeln und das Eingreifen bei übergriffigem Verhalten ein unterstützendes Umfeld zu schaffen. Dabei wird anerkannt, dass absolute Sicherheit nicht garantiert werden kann.
    • Rückzugsräume stehen zur Verfügung – insbesondere bei akuten Belastungssituationen (siehe “Akute Maßnahmen”)
    • Alle Bereiche sind bestmöglich ausgeleuchtet; dunkle Ecken werden vermieden
    • Toiletten werden regelmäßig kontrolliert; es gibt Awareness-Poster in jeder Kabine


Sichtbarkeit & Kommunikation

Awareness soll sichtbar und verständlich sein – nicht nur für das Team, sondern auch für Gäste und Künstler:innen.

  • Konkret heißt das:
    • Plakate mit unseren Grundsätzen hängen an zentralen Orten: Eingang, Theke, Garderobe, Toiletten, Raucherbereich
    • Awareness-Leitfäden mit Symbolbildern erleichtern den Zugang zu Informationen (besonders in stressigen Situationen)
    • Unsere Mitarbeitenden geben gerne Auskunft über Awareness.Konzept und Handlungsmöglichkeiten
    • Auf unserer Website findet sich ein eigener Bereich zu Awareness, Jugendschutz und Barrierefreiheit

6. Akute Maßnahmen & Handlungsketten

Trotz aller Prävention kann es zu unangenehmen, grenzüberschreitenden oder gewaltvollen Situationen kommen.Unser Team ist für den Umgang mit grenzüberschreitenden, diskriminierenden oder belastenden Situationen sensibilisiert. Mitarbeitende wissen, wie sie Betroffene ansprechen, Unterstützung anbieten und Situationen deeskalierend begleiten können.


Wenn Gäste, Künstler:innen oder Veranstaltende Unterstützung benötigen, steht die Veranstaltungsleitung als Ansprechperson zur Verfügung. Wir hören zu, nehmen Anliegen ernst und suchen gemeinsam nach passenden Lösungen – etwa durch die Vermittlung eines ruhigen Rückzugsortes, Begleitung oder weitere Unterstützungsmöglichkeiten.


Vorfälle werden von uns vertraulich behandelt und intern ausgewertet, um unsere Abläufe und unser Awareness-Konzept kontinuierlich weiterzuentwickeln. Awareness verstehen wir als fortlaufenden Lern- und Entwicklungsprozess, der zu einem respektvollen und sicheren Miteinander für alle Beteiligten beitragen soll.

7. Kommunikation nach außen

Ein zentrales Ziel unserer Awareness-Arbeit ist es, nicht nur intern gut aufgestellt zu sein, sondern auch klar, niedrigschwellig und sichtbar mit unseren Werten und Regeln nach außen zu treten.

  • Für Gäste und Künstler:innen
    Bereits am Einlass informieren wir deutlich über unser Awareness-Konzept. Das geschieht durch:
    • Große, verständliche Plakate & Flyer mit unseren Grundsätzen und Verhaltensregeln (Code of Conduct)Hinweise auf Ansprechpersonen
    • Sichtbare Poster in allen zentralen Räumen (Toiletten, Bar, Garderobe, etc.)
    • Künstler:innen und externen Techniker:innen wird das Awareness-Konzept im Vorfeld über die Booking-Kommunikation oder durch Veranstalter:innen vermittelt. Bei externen Veranstaltenden ist das Awareness-Konzept Teil des Raumnutzungsvertrags und verbindlich
  • Digitale Kommunikation
    • Auf unserer Website gibt es einen eigenen Bereich zu Awareness, Barrierefreiheit und Jugendschutz.
    • Unsere Mailadresse ist öffentlich sichtbar, über die Gäste Rückmeldungen, Kritik oder Erfahrungsberichte teilen können. Diese werden vertraulich behandelt.

8. Rechtliche Aspekte & Datenschutz

Awareness-Arbeit bewegt sich auch im rechtlichen Rahmen. Dabei achten wir besonders auf:

Rechte der Betroffenen
Jede betroffene Person hat das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie mit einer erlebten Grenzüberschreitung umgehen möchte – auch in Bezug auf weitergehende Schritte (z. B. Anzeige, Hausverbot, Gespräch mit dem Awareness-Team). Es besteht keine Verpflichtung zur Eskalation oder zur Offenlegung von Details.

Dokumentation und Datenschutz
Vorfälle werden dokumentiert und Personendaten anonymisiert. Die Dokumentation dient ausschließlich der internen Reflexion und Weiterentwicklung des Konzepts.

Hausrecht und Hausverbote
Die Hebebühne macht von ihrem Hausrecht Gebrauch, um diskriminierende oder übergriffige Personen des Hauses zu verweisen – dauerhaft oder temporär. Dabei gilt: Schutz der Betroffenen hat Vorrang vor Rücksichtnahme auf Täter:innen. Alle Maßnahmen erfolgen auf der Basis von Parteilichkeit und mit der Zustimmung der Betroffenen.

10. Ressourcen & Materialien

Zur Umsetzung unseres Awareness-Konzepts stehen dem Team folgende Ressourcen zur Verfügung:

 

  • Materialien und Vorlagen
    • Awareness-Leitfäden mit Handlungsketten für akute Situationen
    • Checklisten für Theke, Bar, Garderobe und Türpersonal (inkl. Notfallnummern)
    • Plakate und Flyer mit leicht verständlichen Symbolen
    • Vorlagen zur schriftlichen Dokumentation von Vorfällen
  • Ausstattung Rückzugsraum
    • Wasser, Snacks, Traubenzucker
    • Hygieneartikel (Tampons, Binden)
    • Decken, Ohrstöpsel
    • Ruhiger Sitzbereich, ggf. Zugang zu Frischluft
    • Vertrauliche Atmosphäre

11. Abschluss

Unser Awareness-Konzept ist Ausdruck einer Haltung, die wir jeden Tag neu leben. Es braucht dafür kein „großes Ereignis“ – auch kleine Momente können herausfordernd oder belastend sein. Deshalb gilt: Wenn sich jemand unwohl fühlt – egal ob Gast oder Mitarbeitende*r – ist das Grund genug, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Unser Ziel ist es, ein Clubumfeld zu gestalten, in dem Solidarität, Respekt und gegenseitige Fürsorge selbstverständlich sind. Dafür tragen wir gemeinsam Verantwortung.